Die Nachzucht einer Hochlandvariante von E.tricolo

Es sind einige, zum Teil attraktive Farbvarianten von Epipedobates tricolor bekannt. Hier möchte ich die Zucht einer davon beschreiben.

Das Biotop dieser Tiere liegt in Ecuador, in der Province Bolivar zwischen 1000-1500m. Dort bewohnen sie die Einzugsgebiete des Flusses Rio Soloma, nachdem diese Variante auch benannt wird. Die Höhenlage ihres Verbreitungsgebietes gibt Aufschluß auf die Hälterungstemperaturen im Terrarium. Diese Variante liebt etwas kühlere Temperaturen, vor allem in der Nacht. Zwischen 17 und 25° sind ihnen am liebsten.

Die Einrichtung im Zuchtbehälter kann sehr variabel sein und ist nicht ausschlaggebend für die Zucht.
Jedoch sind Epipedobates tricolor sowie sein naher Verwanter E. anthonyi regelrechte "Chamäleons". Je nach Einrichtung bzw. Umgebung können sie sich binnen weniger Tage umfärben. Gundsätzlich bringt eine helle, wenig bepflanzte Einrichtung hellere und brillantere Farben. Wogegen sie in einem dunklen, stark bewachsenen Terrarium schnell abdunkeln, ihre Farben verblassen und sind oft kaum mehr wieder zu erkennen. Im Biotop finden sich Tiere bei denen ein helles, metallisches gelb mehr oder weniger flächig den Rücken und Beine bedeckt, sowie auch Tiere wo das gelb einem stumpfen grün gewichen ist.

Paar beim Kopfamplexus

Eine Gruppe von 5 semiadulten Tieren wurden zur Zucht in ein Terrarium mit den Maßen 60x50x40 (LxHxT) überführt. Die Gruppe ergab später 3 männliche und 2 weibliche Tiere. Als die Nachzuchten nahezu adult waren, wurden Reviergrenzen abgesteckt und die Männchen bezogen ihre Ausichtsplätze. Nach wenigen Wochen hört man die ersten zaghaften Rufe die dann recht schnell lauter und deutlicher werden. Sobald nun die Weibchen ersten Laich angesetzt haben sind sie zur Fortpflanzung bereit.
Nun kann man die Paare in den jeweiligen Revieren im typischen Kopfamplexus beobachten. Einen Tag später ist dann meist das Gelege da.

Larventragendes Männchen beim Bewachen des nächsten Geleges

Die Männchen sind fürsorgliche Väter die ihren Nachwuchs intensiv umsorgen. Nicht selten werden sogar 2 Gelege gleichzeitig gepflegt. Ihre Gelege umfassen zwischen 10 und 25 Eier die üblicherweise auf Blättern oder in Filmdosen abgelegt werden.
Ihre Entwicklungsdauer bei einer Durchschnittstemperatur von 24°C beträgt ca.14Tage. Dann brechen die kleinen Larven aus ihrer Laichhülle. Die Entwicklung von der frisch geschlüpften Larve bis zum fertigen Frosch ist abhängig von Wassertemperatur, größe des Aufzuchtsgefäßes bzw. Wassermenge und Fütterung. Bei mir gingen die kleinen Fröschchen im Schnitt nach 35 Tagen an Land. Auffallig ist daß die Kaulquappen recht unterschiedlich wachsen, jedoch die zurückgebliebenen Larven trotzdem gesund die Metamorphose erreichten.
Ernährt werden die Kauquappen mit den bekannten Futtermitteln wie gefrohrene schwarze und weiße Mückenlarven sowie einem Gemisch aus Fischfutter (Sera Vipan), Spirulina, gemahlene Seidenraupenlarven und Bachflohkrebse und Mineralkalk. Das Gemisch wird mit etwas Wasser angerührt bis eine liquidartige Konsistenz erreicht ist. Jetzt wird es tropfenweise im Aufzuchtbehälter verteilt.
Die Kaulpuappen von Epipedobates tricolor sind, wie alle Ameerega und Epipedobates-Arten, nicht kanibalisch und können somit gemeinsam aufgezogen werden. Ich benutzte hierfür Glasschalen mit den Maßen 40x30x8 cm.

Gelege am 7. Tag  Gelege am 11. Tag  Larven beim Ausbrechen aus der Laichhülle 
Die Vorderbeine sind ausgebrochen. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt.   Jungfrosch nachdem der Schwanz resorbiert ist.  10 Tage alter Jungfrosch. Die gelbe Färbung ist schon sichtbar.  


Die Jungfrösche sind recht klein und müssen anfangs mit Springschwänzen ernährt werden. Erst nach 2-3 Wochen kann erstmals die Fütterung mit der kleinen Fruchtfliege (Drosophia melanogaster) beginnen. Später dann die große Fruchtfliege, Erbsenblattläuse, kleine Soldatenfliegenlarven sowie im Sommer nicht zu großes Wiesenplankton.

Ihre orangefarbenen Signalflecken sind zwar schon im Jugendstadium als helle Punkte sichtbar, färben sich aber erst im erwachsenen Alter um. Je älter das Tier wird umso kräftiger ist dann die leuchtende orangene Farbe. Leider zeigen sich die schönen Flecken nur bei bestimmten Bewegungen. Sitzt das Tier in "normaler" Haltung da, sind sie leider nicht erkennbar.

Subadultes Jungtier  Zuchtbehälter 60x50x40 cm (LxHxT) 


Abschließend kann man behaupten daß diese Variante abgesehen vom Temperaturbereich, wie andere Varianten, gleichermaßen und relativ einfach nachzüchtet. Die schon seit jahrzenten bekannte und hübsche Variante ist leider in der Terrarienhaltung eher wenig verbreitet.

Carsten Duscha © 2012