Über Ranitomeya sirensis und seine Fortpflanzung

R.lamasi "Hochland"

Zu dieser Art zählen seit der Revision von Twoney and Brown etliche Varianten die zum Teil seit den 80er Jahren in der Terrarienhaltung bekannt sind und seither einige Namensänderungen durchlaufen haben.
Die seit langem unter dem Namen ‚Panguana’ bekannten Tiere wurden schon Ende der 80er Jahre als „neue“ Form von Dendrobates quinquevittatus eingeführt, hatten zwischendurch die Bezeichnung Dendrobates ventrimaculatus und lamasi und zählen heute auch zur Sirensis-Gruppe.
Ebenfalls zu R.sirensis zählen die jüngst unter dem Namen ‚Contamana’ gehandelten Tiere, welche vor Jahren schon unter dem Namen Dendrobates intermedius ‚grün’ importiert wurden. Dann kam vor wenigen Jahren noch eine bislang unentdeckte sehr variable orange bis rote Farbform hinzu, die aus der Panguana Region stammen sollen.
Eine weitere sehr schöne Hochland-Form (R.sirensis ‚Divisoria’) lebt in Bambuswäldern. Diese Variante zieht ihren Nachwuchs in kleinen Phytotelma (Wasseransammlungen, Kleinstgewässen) auf, die in den abgebrochenen, abgetrennten oder alten, sich zersetzenden Bambusrohren entstehen.

Alle diese Varianten lassen sich gut und unter den gleichen Bedingungen halten und nachzüchten. Lediglich die so genannte Hochlandform liebt etwas niedrigere Temperaturen.
Unterschiede konnten wir aber bei der Wahl des Laichortes feststellen.
Während die orangerote Form bei mir gerne an die Seitenscheiben der Terrarien gelaicht haben, bevorzugt die grüne Form eher dunklere Orte wie Fotodosen oder Ähnliches. Vermutlich spielt hier die Herkunft bzw. der Lebensraum und die dortige Vegetation eine Rolle. Die grüne Variante hält sich im Biotop z.B. gerne in Xanthosoma und Heliconien auf, in deren Blattachseln sie auch ihre Larven absetzen. Andere Populationen nutzen eher Bromelien am Boden und in mehreren Metern Höhe.

Zwei fast fertige Jungfrösche aus dem selben Gelege

Alle Varianten sind in ihrer Färbung und Zeichnung sehr variabel. Eine Eigenschaft die diese Art zu einem interessanten Frosch macht. Bei den Nachzuchten sind Tiere mit unterschiedlichsten Zeichnungen und Färbungen dabei. Besonders auffällig sind die „hellen“ Tiere mit einer Pigmentstörung, bei der das Melanin, ein dunkler Farbstoff teilweise oder ganz fehlt. Ca. 20% der Jungtiere sind bei uns so gefärbt.
Diese Färbung ist schon vielen Jahren bei der Nominatform von R.ventrimaculata aus Französisch-Guayana bekannt. Sie werden als „Missing Black“ gehandelt.
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Auf jeden Fall ist es immer wieder spannend wenn die kleinen Jungfrösche an Land gehen und die unterschiedlichen Färbungen sichtbar werden.

Einige Bilder zur Variabilität. Zum Bild vergrößern auf´s Bild klicken

Oben: Ranitomey sirensis grüne Variante mit Pikmentstörung. Die Tiere ähneln stark den unter dem Namen 'Missing Black' gehandelten Tiere, diese haben jedoch die Y-Zeichnung.

R.sirensis 'Contamana' grün, Tiere mit Punkte-Zeichnung. Bild rechts unten: Tier mit "Standartzeichnung"

R.sirensis orange. Auch diese Farbform ist sehr variabel

Zur Zucht genügen dieser Art kleinste Behälter. Ein Würfel 30cm Seitenlänge reicht aus. Paarweise oder ein Männchen mit 2 Weibchen können in solch kleinen Terrarien durchaus angesetzt werden.
Auch sonst ist R.lamasi anspruchslos. Temperaturen um 25° sind ideal. Die Tiere haben sich aber auch bei niedrigeren oder höheren Temperaturen erfolgreich fortgepflanzt. Minimale Unterschiede sind dann nur in der Entwicklungsdauer fest zu stellen.
Die Gelege umfassen meist 2-5 Eier. Nach ca. 12 Tagen durchbrechen die Larven dann die Eihülle und nach weiteren 10 Tagen zeigt sich, wie bei vielen Ranitomeya-Arten schon eine metallisch glänzende Färbung am Kopf bzw. an der Mundregion. Die Larven wachsen schnell, ebenso wie die Jungfrösche. Nicht selten sind erste Rufe schon nach knapp 5 Monaten zu hören. Sie müssen recht lange mit den üblichen Springschwanzarten gefüttert werden.

Zur Einrichtung genügt ihm etwas Grün (kleine Bromelien, verschiedene Ranken, Ficus, Farne) und ein Stück Ast oder Liane. 2-3 Fotoröhrchen am besten im oberen Drittel des Terrariums, mehr ist nicht erforderlich.
Wir halten diese Varianten schon seit einigen Jahren und haben immer noch viel Freude, nicht zuletzt wegen ihrer enormen Variabilität.
Sie sind auch für den 'Ranitomeya-Einsteiger' eine gute Wahl.

Carsten Duscha © 2010