Die Nachzucht des blauen Ameerega basseri

Die blaue Form von Ameerega bassleri ist genau wie die gelbe Form in Peru beheimatet.
Er lebt dort im Departamento San Martin in einer Höhe von ca. 1200 m und bevorzugt deshalb eine etwas kühlere Temperatur.
Höchsttemperaturen von 24-25° reichen ihm völlig aus. Nachts kann es auf 17-18° absinken, was bei geschlechtsreifen Tieren eine Rufaktivität auslöst. Besonders bei niedrigeren Temperaturen beginnt er mit der Fortpflanzung, die allerdings nicht zwingend notwendig ist. Bei mir produzierten sie auch Gelege in wärmeren Monaten.

Die Zucht gelang mir mit zwei Paaren die ich zusammen in einem Becken mit den Maßen 50x45x45cm pflege. Als Jungtiere bekommen, wuchsen sie zusammen auf und ich konnte keinerlei Aggressionen untereinander beobachten.
Im Gegenteil, meinen Erfahrungen nach, ist es sogar von Vorteil mehrere Männchen zu haben, da sie sich gegenseitig zum Rufen animieren. Dabei ist es egal, ob die Tiere im selben Behälter oder in verschiedenen Terrarien sitzen.

Gelege werden in Höhlen abgesetzt und umfassen bis zu 30 Eier. Hierfür werden die üblicherweise verwendeten, halbierten Kokosnussschalen aber auch Fotoröhrchen angenommen. Fotodosen die ich im oberen Drittel zwischen Rankpflanzen platziert hatte und die gute Deckung boten, wurden bevorzugt genutzt. Einmal beobachtete ich sogar, wie 2 Männchen gleichzeitig! in derselben Fotodose zwei Gelege bewachten. Die Männchen sind fürsorglich und nehmen ihre väterliche Pflicht sehr ernst. Nur äußerst ungern verlassen sie ihre Gelege. Oft wird tagelang nicht gefressen, um die Eier nicht unbehütet zu lassen. Das wird nach Beendigung der Brutpflege sichtbar. Die Männchen sind dann deutlich schlanker.

Gelege am 6. Tag  Am 9. Tag 
kurz vor ausbrchen der Larven  Larven im Aufzuchtsbehälter. Gut sichtbar die typischen weisen Mundwinkelflecken. 


Eine erfolgreiche Zucht der blauen Variante ist allerdings nicht ganz einfach. Besonders bei der Aufzucht der Kaulquappen hatte ich Ausfälle von über 50%. Somit konnte ich anfangs nicht von einem optimalen Nachzuchterfolg sprechen. Erst durch optimieren verschiedener Faktoren wurde die „Ausbeute“ besser. Wichtig ist auch hier wieder, das eine übermäßige Produktion von Gelegen vermieden wird. Dies führt schnell zu Verlusten bei der Entwicklung der Gelege, der Larven und später dann zu Streichholzbeinen. Sicherlich auch weil die Ernährung unserer Frösche noch lange nicht optimal ist.
Deshalb ist ein möglichst abwechslungsreiches Futter gleichermaßen wichtig. Drosophilas (Fruchtfliegen) genügen hier nicht. Größeres Futter wie Heimchen, Bohnenkäfer, Wachsmaden und natürlich Wiesenplankton verbessern enorm die Qualität der Gelege.
Die Larven können gemeinsam aufgezogen werden. Aussaatschalen aus dem Gärtnerbedarf (30x40cm) eignen sich hervorragend dazu. Ich benutze normales Wasser aus der Leitung mit einem neutralen bis leicht erhöhten PH-Wert und einem KH-Wert um 15. Dazu gebe ich ein paar Eichen – und Buchenblätter. Das Ganze lasse ich zwei bis drei Tage stehen bevor ich die Larven überführe.

Zur Fütterung benutze ich einen „Futterbrei“ aus Spirulina, getrockneten und gemahlenen Seidenraupenlarven, Fischfutter (Tetra, Sera usw.), Mineralkalk, Blütenpollen und Brennnesselpulver. Zwischendurch werden gefrorene schwarze und weiße Mückenlarven gefüttert.
Die Larven wachsen schnell aber nicht immer gleichmäßig. Nach ausbrechen der Vorderbeine sollten flache Uferregionen geschaffen werden damit den Tieren ein leichtes „ an Land gehen“ ermöglicht wird. Können sie das nicht, sind Todesfälle durch ertrinken an der Tagesordnung. Meist gehen die Jungtiere noch mit dem Schwanz an Land und absorbieren ihn erst hinterher.

Jungfrosch 5 Tage nach dem er an Land gegangen ist. Der Schwanz ist immer noch nicht vollständig absorbiert.   Die kleinen Frösche sind anfangs unscheinbar gefärbt. Erst später erscheint die türkisblaue Färbung. 
Jungfrosch im Alter von 2 Monaten  Leider sind nicht alle Tiere so schön gefärbt. Semiadultes Tier im Alter von 4 Monaten  


Die Landgänger sind verhältnismäßig klein und brauchen in den ersten Tagen noch wenig Futter, da vom sich zurückbildenden Schwanz noch genügend Nährstoffe zugeführt werden. Springschwänze und wenige Tage später schon die kleine Drosophila bilden das erste Futter. Außerdem sollten die ersten Fütterungen wohldosiert sein. Zu viel Futter was nicht gefressen wird kann die kleinen Frösche stressen und sogar zum Tod führen. Später stehen dann größere Futtertiere auf ihrem Speiseplan. Ich bin immer noch der Ansicht dass wir vor allem Ameerega-Arten zu einseitig ernähren. Eine möglichst abwechslungsreiche Fütterung ist daher „Pflicht“

Carsten Duscha © 2010