Zuchterfahrungen mit D.galactonotus

Nicht nur in der Färbung sondern auch in der Fortpflanzung zeigt sich A.galactonotus variabel. In seinem natürlichen Lebensraum herrschen zwei Jahreszeiten. Eine starke Trockenzeit von Mai bis November in der die Wälder einem sommerlichen europäischen Laubwald gleichen. In dieser Zeit würde man dort nie einen tropischen Frosch vermuten. Die Laubschicht am Boden ist stark ausgetrocknet und die Tagestemperaturen betragen häufig über 30 °C. Die Tiere beschränken ihre Aktivitäten auf ein Minimum, das heißt nur bei Tagesanbruch in der Dämmerung bis max. 9:00 Uhr, abends konnte ich nur selten ein Tier sehen. Den Rest des Tages verstecken sich die Tiere in der Laubschicht am Boden. Nur durch Zufall konnte ich einen solchen Rückzugsort finden, der sich zum Teil bis 50 cm tief in der Laubschicht befand. Die Trockenheit ist eine optimale Bedingung für die häufigen Waldbrände in dieser Region, die meistens von den Campesinos selber gelegt werden, um neue Weideflächen zu erschließen. Schon heute ist es in gewissen Regionen nicht leicht noch intakte Waldgebiete zu finden in denen sich A. galactonotus aufhält. Man kann oft Tage oder gar Wochen ohne Erfolg nach diesen schönen Dendrobaten suchen. Die zweite Zeit, die Regenzeit, von Dezember bis Mai verspricht da schon mehr Erfolg. In dieser Zeit regnet es mehr oder wenigen häufig und die Temperatur ist etwas niedriger. In den Morgenstunden sind dann Temperaturen zwischen 20° und 23° die Regel. Jetzt ist es schon einfacher die Tiere bei der Werbung, beim Larventransport usw. zu beobachten oder ihre schnarrenden Rufe zu hören.
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Weibchen der schwarz-gelben Farbform  Männchen beim transportieren einer Larve  

Bei der Zucht im Terrarium konnte ich bei den einzelnen Paaren unterschiedliche Verhaltensweisen beobachten. Einige halten strickt Lege- und Ruhephasen ein. Dann wird z.B. auch bei intensiver Regenzeitsimualtion die Gelegeproduktion eingestellt. Andere Paare jedoch entpuppten sich als wahre "Dauerlaicher", die selbst im trockenen Terrarium noch Gelege produzieren. Man muss die Tiere trennen, um diesem ein Ende zu setzen. Zumal bei zu starker Gelegeproduktion die "Qualität", sprich Schlupfrate, Entwicklung usw. stark abnimmt. Dann kann die Aufzuchtsmethode noch so optimal sein, die Larven bleiben klein, folglich sind die Jungfrösche schwach und gehen oft in den ersten Wochen trotz intensiver Bemühungen ein.

Gelege kurz nach der Befruchtung  6. Tag, die Eier entwickeln sich.  
19. Tag, kurz vor dem Ausbrechen der Larven   Jungfrosch der dunkelroten Farbform bei der Metamorphose  
Jungfrosch der orange-schwarzen Farbform bei der Metamorphose  Fertiger Jungfrosch der orange-schwarzen Form... 
...und der dunkelroten Form (links) 

Die Gelege sind relativ groß und umfassen je nach Fütterung und Legepausen zwischen 5 und bis zu 15 hellgraue, große Eier. Die Entwicklung der Eier bis zum Ausbrechen der Larven aus der Eihülle dauert je nach Umgebungstemperatur zwischen 14 und 20 Tagen. Sind die Larven kräftig und gesund schlüpfen sie ohne fremde Hilfe von selbst aus der Eihülle. Lässt man sie nicht von den Eltern auf natürliche Weise transportieren, können die frisch geschlüpften Larven nun in die üblichen Aufzuchtsstationen überführt werden. Als Futter dienen dann gefrorene und lebende weiße, schwarze und rote Mückenlarven, Wasserflöhe, Cyclops, Tetrafutter und Spirulinaalgen.
Umfärbung der komplett orangenen Farbform siehe unten

Die Umfärbung der weißen Form

Kurz vor dem Landgang sind schon erste Aufhellungen sichtbar. Bei manchen Kaulquappen sind solche Färbungen schon sehr früh, noch vor dem Ausbrechen der Vorderbeine zu beobachten. Sie sehen aus wie pilzartige Stellen und man möchte meinen die Larven sind krank.   Färbung 5 Tage nach Anlanden des Tieres 
Färbung weitere 10 Tage später  Fast komplett umgefärbter Jungfrosch 

Carsten Duscha © 1997