Die Haltung und Zucht von Excidobates mysteriosus

Über Geschmack läst sich ja bekanntlich streiten. Deshalb liegt es im eigenen Ermessen eines Jeden ob D. mysteriosus ein attraktiver Frosch ist. Die Meinungen gehen da teilweise weit auseinander. Fest steht allerdings, dass er aufgrund seiner offenen Lebensweise ein angenehmer Pflegling ist, den man immer beobachten kann, ohne dass er bei der kleinsten Bewegung gleich in der Einrichtung verschwindet.
Zur Haltung und Zucht genügen ihm Terrarien ab 40 cm Seitenlänge, er fühlt sich natürlich auch in größeren Behältnissen wohl. Da er gerne umher klettert kann die Beckenhöhe ruhig 60 cm oder mehr betragen. Die Temperatur sollte vor allem in der Nacht durchaus auf 18 -20 °C absinken. Tageshöchsttemperatur ca. 25 °C. Entgegen mancher Meinungen übersteht er aber auch unbeschadet Höchsttemperaturen von 30 °C, wenn sie nicht dauerhaft ist und wenn ihm genügend Feuchte zur Verfügung steht. (z.B. Rückzugsmöglichkeit in mit Wasser gefüllte Bromelienachseln) Sein Fortpflanzungsverhalten beginnt aber wie bei einigen anderen Pfeilgiftfröschen erst bei kühleren Temperaturen.
Als Futter nimmt D. mysteriosus die große und kleine Fruchtfliege, sowie Springschwänze, tropische Asseln und Ofenfischchen an. Er bewältigt aber auch gerne Heimchen bis zu einer Größe von 10 mm. Für eine erfolgreiche Zucht sind nicht zwingend große Trichterbromelien wie er sie in der Heimat (Peru) vorfindet, erforderlich. Hier begnügt er sich mit der üblichen Ausstattung. Kleinere Bromelien, Farne, Rankpflanzen und Wurzeln sowie einige Laichhäuschen (Halbierte Kokosnussschalen, Fotoröhrchen usw.) reichen ihm aus. Bei erhöhter Luftfeuchtigkeit und Beregnung beginnen die Männchen zu rufen. Der Ruf ist ein Schnarren, ähnlich wie bei Dendrobates histrionicus, ca. 1 sek. lang. Hat man in der Gruppe beide Geschlechter dauert es nicht mehr lange und das erste Gelege ist zu finden. Dendrobates mysteriosus produziert im Vergleich zu nahe verwandten Arten relativ große Gelege zwischen 8 und bis zu 20 Eiern.

Gelege 3 Tage alt  Gelege kurz vor dem Ausbrechen der Larven (14 Tage) 
Frisch geschüpfte Larve  4 Wochen 

Auffällig ist, dass manche Gelege komplett befruchtet sind und zur Entwicklung kommen und bei manchen Gelegen sah es aus, als wären sie gar nicht befruchtet worden, weil überhaupt keine Entwicklung zu sehen war. Die Gelege werden in Abständen zwischen 4 und 10 Tagen abgesetzt, was sicher nicht zuletzt von der Fütterung abhängt. Weiterhin fällt bei dieser Art auf, dass die gesamte Entwicklung vom Tag der Eiablage bis zur Metamorphose sehr lange dauert. Ca. 4 Monate sind anscheinend normal. Andere Dendrobaten entwickeln sich doppelt so schnell. Die Larven wachsen innerhalb eines Geleges sehr unterschiedlich. Ein Grund hierfür könnte sein, das vom Ausbruch der ersten Larve aus der Eihülle bis zum Ausbruch der letzten Larve oft mehrere Tage, bis zu einer Woche liegen. Somit haben einige Kaulquappen einen "Vorsprung " der das Wachstum begünstigen könnte. Die Kaulquappen von D.mysteriosus sind Kannibalen und dezimieren sich bei zu kleinen Behältnissen. Sie können in "Einzelhaft" aber auch in größeren Schalen mit viel Laub in Gruppen (5-6) aufgezogen werden. Als Futter dienen wieder mal die bekannten schwarzen, weißen und roten Mückenlaven, Cyclops sowie Spirulina und diverse Trockenfutter aus der Zierfischhaltung.

80 Tage  ca.100 Tage 

Nach ca. 4 Monaten gehen endlich die ersten Jungfrösche mit gut 1 cm Größe an Land. Es sind dann wahrlich kleine "Wonneproppen". Bis sie die erste Nahrung aufnehmen, dauert es allerdings noch ein paar Tage, dann aber nehmen sie Springschwänze und sehr bald schon die kleine Drosophila gerne an. Eine zu starke Fütterung in den ersten Wochen führt erfahrungsgemäß schnell zu einer übermäßigen Körperfülle bzw. Überfettung. Also lieber in der ersten Zeit etwas weniger Füttern.

Kurz vor dem Anlanden  7 Tage alter Jungfrosch 

Das langsame Wachstum der Kaulquappen konnte ich bei den Jungfröschen nicht mehr feststellen. Sie wachsen normal und erreichen nach einem relativ gleichmäßigen Wachstum von ca. 1 Jahr die Geschlechtsreife.

Ein schöner Anblick bietet sich, wenn man den Eltern die Gelege nicht zur separaten Zeitigung entnimmt, sondern ihnen die Brutpflege selbst überlässt. Die Larven werden dann, wie bei allen Dendrobaten bekannt, auf dem Rücken des Männchens in geeignete Aufzuchtmöglichkeiten transportiert. Hierbei werden zwar mehrere Larven aufgenommen aber dann immer nur einzeln auf Grund ihrer kannibalistischen Lebensweise abgesetzt. Eine Fütterung des Weibchens mit "Futtereiern" konnte ich bisher nicht beobachten, möchte dies aber grundsätzlich nicht ausschließen. Wir wissen ja, dass nicht alle Eltern eine vorbildliche Brutpflege betreiben. Das Thema `Fütterung der Kaulquappen` habe ich im oberen Teil ja schon erwähnt. Die Angaben über die Entwicklungsdauer der Gelege, Larven und Jungfrösche sind relativ und können aufgrund äußerer Bedingungen wie Temperatur usw. natürlich abweichen.

Bericht: Carsten Duscha © 2007