Nachzucht von Phyllobates terribilis

Die Heimat von Pyllobates terribilis ist Kolumbien. Sein überaus starkes und wirksames Hautgift ermöglicht ihm dort eine sehr offene Lebensweise am Boden. Er ist eine der wenigen Arten die dort tatsächlich als Giftquelle für die Blasrohrpfeile der Indianer genutzt wird. Übrigens ist es nicht erforderlich die Tiere hierfür zu töten. Es reicht wenn mit dem Pfeil über den Rücken der Tiere gestrichen wird. Danach erhält das Tier seine Freiheit wieder.
Obwohl P. terribilis im Terrarium seine Giftigkeit verliert, sind die Tiere auch hier immer zu sehen. Was ihn, zusammen mit seiner attraktiven Färbung zu einem beliebten Pflegeling macht. Zwei Dinge sollten allerdings bei der Anschaffung beachtet werden. Sie sind regelrecht gefräßig und mit der üblichen Fruchtfliege (Drosophila) nicht satt zu kriegen. Zum zweiten. können die Männchen mit ihren lauten Rufen bei Mitbewohnern zu Verärgerung führen.

P. terribilis sollte in größeren Terrarien ab 50cm Länge gehalten werden. Eine etwas höhere Temperatur von 27-28° wird ihm gerecht. Ebenfalls wichtig für eine dauerhafte Gesundheit ist eine nicht zu feuchte Haltung. Natürlich übersteht er eine simulierte Regenzeit zwischen 4-6 Monaten ohne Probleme. Als Futter sollten ihm in nicht zu großer Menge Heimchen, Grillen, Stubenfliegen oder Wachsmaden angeboten werden. Besonders Wachsmaden sollten nur ab und zu gefüttert werden da sonst leicht eine Überfettung auftritt. Beobachtungen im Biotop zeigten das auch weibliche Tiere nie eine nennenswerte Körperfülle aufwiesen. Ihre Gefräßigkeit wird bei der Fütterung deutlich. Für ausgewachsene Tiere sind auch große Heimchen kein Problem. Mit schellen aber dennoch "plumpen" Aktionen stellen sie den Futtertieren nach, dabei wandern nicht selten auch auf dem Boden liegende Pflanzenteile oder ähnliches ins Maul der Tiere.
Nach einer intensiven Trockenperiode über 4-6 Monate simuliere ich eine Regenzeit. Dabei lasse ich den Wasserstand ansteigen sodass der Bodengrund gut durchtränkt wird und sprühe 2-3 täglich. Durch Verkleinerung der Lüftungsschlitze wird eine schnelle Austrocknung verhindert und die Luftfeuchtigkeit erhöht. Meist innerhalb der nächsten 2 Tage beginnen die Männchen dann mit Rufen. Bei jungen Paaren kann es dann allerdings noch einige Wochen dauern bis die ersten Gelege zu finden sind. Die Gelege können dann bei den Eltern belassen, oder separat gezeitigt werden. Ich musste die Gelege entnehmen da die Eltern den Larventransport nicht übernahmen. Nach ein par Tagen waren stets keine Larven mehr zu finden.

Gelege am 2. Tag  Larven 5 Tage alt  Ein neuer Lebenabschnitt beginnt 

Nach ausbrechen der Larven aus der Eihülle erhöhe ich minimal den Wasserstand im Zeitigungsgefäß, beginne aber erst mit der Fütterung wenn sich die Larven gekräftigt haben. Kontrolle durch anklopfen ans Gefäß, reagieren die jungen Larven durch wildes umherschwimmen kann mit dem Anfüttern begonnen werden. Wie bei den meisten Arten eignen sich hiefür wiederum Spirulina-Algen. Nach 2-3 Tagen überführe ich die Larven in eine größere Schale mit ca. 1 Liter Wasservolumen. Jetzt kann auch mit anderem Futter wie Fischfutter, Brennessel oder diversem Frostfutter begonnen werden. Die Kaulquappen von P. terribilis sind nicht kannibalisch und können wie die von Epipedobaten gemeinsam aufgezogen werden. Nach weiteren 2 Wochen überführe ich die Larven abermals in ein größeres, letztes Gefäß (Aussaatschalen aus dem Gärtnerbedarf mit den Massen 40x25x6 eigenen sich hervorragend) dort belasse ich sie bis zur Metamorphose.
Nachdem sich ihr Schwanz zurückgebildet hat beginnen die Jungen Fröschchen zu fressen. Springschwänze und nach wenigen Tagen schon die kleine Fruchtfliege, bilden ihr erstes Futter.

Jungfrosch kurz nach der Metamorphose  Jungfrosch ca.14 Tage alt (mint)  Die Umfärbung beginnt 

Die weitere Aufzucht ist jetzt kein Problem mehr. Da P. terribilis mit Gelegen um 20 Eier zu den produktiven Arten zählt kann allerdings bei größeren Mengen junger Frösche ab einer gewissen Größe ein Futterproblem auftauchen. Sie fressen einem förmlich die Haare vom Kopf :-) Bis zur entgültigen Durchfärbung der Tiere kann es zum einen oder anderen Ausfall kommen was bei der Menge Jungtiere aber nicht nennenswert ins Gewicht fällt. Der Grund hierfür kann eventuell ein Stress aufgrund zu dichtem Besatz sein, denn sich Tage vorher ankündigende Verhaltensänderungen oder äußerliche Hautveränderungen ließen sich bei den verendeten Tieren nie feststellen.

Jungtier der gelben Form  Jungtier (gelb) in der Umfärbungsphase  Adultes Tier der gelben Form 

Übrigens gibt es nach Angaben in den Biotopen keine räumliche Trennung der gelben und orangenen Farbform. Es handelt sich lediglich um eine Farbstreuung innerhalb der Population. Genau wie es bei der mintfarbenen Form schön bläulich gefärbte Tiere wie auch cremefarbene gibt.

 
schönes mintfarbenes Jungtier  fertig umgefärbtes Jungtier